Trebur Open Air

Zwischen Freibadpommes, Bauchklatschern und Äppler

Vom 24. bis 26. Juli 2026 wird das kleine Trebur in Südhessen wieder zum Treffpunkt für Musik, Freibad und beste Laune beim alljährlichen Trebur Open Air. Unser Streetteam war vor Ort!

Zwischen Freibadpommes, Bauchklatschern und Äppler
Foto: Bea Gottwald & Katharina Kulisch

Seit 1993 steht das Trebur Open Air für ein buntes Miteinander: Familien, Freundesgruppen und Musikfans aus der Region und darüber hinaus – wir treffen sogar jemanden aus Portugal – feiern hier gemeinsam die verschiedenste Genres. Rund 250 Ehrenamtliche stemmen eines der größten Non-Profit-Festivals im Rhein-Main-Gebiet.

Das Trebur Open Air begrüßt uns am Freitag mit bestem Sonnenwetter und super freundlichen Leuten am Einlass. Trotz wenigen Schattenplätzen punktet das Gelände mit seinem besonderen Extra: dem Freibad, das frei zugänglich ist für die Festivalbesucher:innen und mit eigener Bühne überrascht. Weniger entspannt: das Cashless-System, das zunächst für lange Schlangen sorgt – zumal im Freibad weiterhin klassisch bezahlt werden kann. Kulinarisch ist das Angebot breit, inklusive regionaler Klassiker wie Äppler zu fairen Preisen. Dazu gibt’s ein Rahmenprogramm von Flunkyball bis zum Bauchplatscher-Contest.

Den Auftakt machen Wrong Location mit einer Mischung aus Indie und Alternativ-Rock auf der Haselnussbühne, gefolgt von der Künstlerin Mimose, die ihren folkigen Dream-Pop auf die Freibadbühne bringt und der Indie-Britpunk Band Plaiins aus Hamburg. Nach diesem großartigen Opening ging es nach einer kurzen Abkühlung im Freibad direkt wieder rüber zu den Rave-Indie-Punkern von Kochkraft durch KMA, die die Menge energievoll anheizen, während Van Holzen im Anschluss ungewohnt zurückhaltend wirken. Deutlich düsterer: Fjørt mit apokalyptischer Wucht zum quietschpinken Sonnenuntergang.

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Ein definitives Highlight an diesem Abend bildet die japanische Flinta* Band MOS, die mit ihren Blasinstrumenten und Mitmach-Choreographie ihren ersten Deutschlandauftritt rocken. Den Tagesabschluss bilden Das Lumpenpack und DJin Dönertella Versace.

Der Festivalsamstag

Der Samstag beginnt – natürlich – im Freibad. Der entscheidende Unterschied zu vielen Festivals: Dank ausreichend Duschen und Chlorwasser gibt's hier keine Festival-typische Schweiß-und-Alkohol-Wolke. Auf der Liegewiese lässt es sich mit Freibadpommes, Crêpes und Eiskaffee trotz über 30 Grad gut aushalten.

Das Programm startet auf der kleinen Freibadbühne und das Trebur Open Air zeigt wie familienfreundlich es ist: Es gibt Kinderyoga mit großer Beteiligung kleiner Menschen, der 15-jährige Singer-Songwriter JD spielt Coversongs zum Mitsingen, und im Anschluss gibt es die Schaumparty der Kinderband Pia-Nino-Band, an der sich auch die Erwachsenen erfreuen. Sportlich geht's ebenfalls zur Sache: Aquagymnastik im Nichtschwimmerbecken, parallel dazu die besten Arschbomben im Schwimmerbecken. Auf dem Campingplatz messen sich Teams derweil bei einer vom befreundeten Karben Open Air präsentierten Flunkyball-Meisterschaft und den Toalympics: einem Sportwettbewerb, bei dem nasse Schwämmen geworfen und Personen herumgetragen werden und dessen Regeln uns als Beobachterinnen nicht ganz klar sind. Aber die gute Laune der Teilnehmenden macht's allemal zu einem besseren Wettbewerb als die Bundesjugendspiele.

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Den Nachmittag eröffnen Soulsängerin shaNICE aus Friedberg, die Progrock-Band Orchid's Path und Rapper Bosca. Schreng Schreng & La La liefern auf der Freibadbühne schrammeligen Akustikpunk mit sarkastischem Wortwitz inklusive Purzelbaum von Sänger Jörkk Mechenbier, der dabei sein Mikrofon zerstört. Zeitgleich rocken die Engländer von Split Dogs die Hauptbühne, gefolgt von der Amsterdamer Shoegaze-Band Marathon. Den Abend läuten Liedfett vor textsicherem Publikum ein. Remote Bondage (komplett in Ballkleidern) und die hyperaktiven Jools setzen im Anschluss mit politischen Ansagen gegen Sexismus und Patriarchat klare Zeichen. Auch OK Kid machen auf die anstehenden Wahlen aufmerksam und warnen vor erstarkendem Rechtsextremismus und ihre emotional umgedichtete Version von "Gute Menschen" begeistert viele der Zuschauenden. Den Abschluss bildet das Dubioza Kolektiv mit supertanzbarem Ska, bevor es bei zwei parallelen DJ-Sets weitergeht: Sir N auf dem Festivalgelände und Techno bis in die Nacht auf dem Campingplatz.

Bauchklatscherwettbewerb am Sonntag

Bei bestem Badewetter startet der Sonntag mit dem legendären, vom Nonstock Festival mitorganisierten Bauchklatscherwettbewerb. In mehreren Runden treten die Sprungkünstler:innen in tollen Kostümen an. Von Frosch über Flamingo bis Huhn ist alles dabei. Gewonnen hat am Ende, wie schon im Vorjahr, "Monkeyman".

Auf dem Campingplatz herrscht mittags schon Aufbruchsstimmung, viele Zelte werden abgebaut – auch weil für den Abend ein Gewitter angekündigt ist. Musikalisch geht's dennoch munter weiter: Larkly und Aennis bringen groovigen Indie-Pop, danach die deutschsprachige Indie-Rock-Band Yara mit Einflüssen von Annenmaykantereit und Faber. Die Crossover-Band King Nugget Gang liefert mit Songs wie "Bier & Bratwurst" derberes Kontrastprogramm, dagegen sorgt Faravaz auf der Freibadbühne für Trost und Empowerment: Die im Iran zu einem Jahr Haft verurteilte, heute in Berlin im Exil lebende Sängerin und Aktivistin macht alternativen Pop mit R&B- und persischen Einflüssen und politisch direkten englischsprachigen Texten. Später kehrt sie noch einmal für ein Feature bei Lins Loopstation-Electropop zurück.

Hi! Spencer eröffnen den Abend mit emotionalem Indiepunk. Zum dritten Mal, aber erstmals seit fast zehn Jahren, spielen die drei Schwaben von Itchy mitreißenden Poppunk und Sänger Sibbi crowdsurft dabei kurzerhand auf seinem Gitarrenkoffer über das Publikum und weckt so trotz drittem Festivaltag nochmal echte Mitmachenergie. Als vorletzte Band spielt Doctor Krápula, eine der bekanntesten Rockbands Lateinamerikas, mit einer Mischung aus Punk, Cumbia, Ska, Hip-Hop und Reggae zu Texten über soziale Themen und Umweltschutz. Den Abschluss bildet Trebur-Stammband Elfmorgen, die an diesem Abend ihren 20. Auftritt auf dem Festival feiern und das Publikum bis zum nächsten Jahr verabschieden.

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Das angekündigte Gewitter entpuppt sich zum Glück nur als leichter Schauer. Aber egal bei welchem Wetter: Die familiäre Stimmung bleibt. Es fühlt sich an, als könnte man mit jeder und jedem der 3.000 Besuchenden einfach einen netten Schnack halten. Fazit: Wir gehen ab jetzt nur noch auf Festivals mit Freibad!

Der Vorverkauf für 2027 ist ebenfalls bereits gestartet: Vom 23. bis 25. Juli findet das Trebur Open Air dann statt.

Nachbericht: Bea Gottwald & Katharina Kulisch

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