Rock im Wald 2026

Der Wald bebt

Am vergangenen Wochenende verwandelte sich das beschauliche oberfränkische Michelau wieder in ein Mekka für Fans von schweren Riffs und psychedelischen Klängen. Unser Streetteam war vor Ort!

Der Wald bebt
Foto: Christoph Albermann

Das Rock im Wald wartete auch zum 31. Mal mit einem fulminanten Line-up auf. Neben Stoner-Rock erwartete das Publikum eine abwechslungsreiche Mischung aus Psychedelic, Metal, Progessive-Rock und Punk. Für die Frühaufsteher gab es Freitag und Samstag ab 10 Uhr auf der Holzbock-Stage mit den Bands Big Bull und den Billy Cat Rumblers bestes Warm-Up-Programm.

Donnerstag: Auftakt mit Überraschungen

Gegen 14 Uhr tummeln sich bereits die ersten Besucher:innen auf dem umgebauten Sportplatz des VfB Neuensee. Die meisten machen es sich mit mitgebrachten Decken unter einem der beiden großen Pavillons auf der weitläufigen Rasenfläche gemütlich und schlafen noch eine Runde. Andere trotzen den hochsommerlichen Temperaturen bei über 30 Grad und kühlen sich unter den aufgestellten Rasensprengern ab oder spielen Frisbee.

Langsam füllt sich das Gelände, doch selbst zum Festivalauftakt mit Mount Hush kurz nach 15 Uhr bleibt es vor der Bühne noch relativ leer. Die Band aus dem niederbayerischen Ruhpolding liefert mit unaufgeregtem Stoner-Rock allerdings genau den richtigen Einstieg ins Festival. Das Quartett freut sich sichtlich darüber, die diesjährige Ausgabe eröffnen zu dürfen. Anschließend übernehmen Sons Of Arrakis die Bühne. Die Kanadier beziehen sich nicht nur im Bandnamen auf Frank Herberts Dune-Universum rund um den Wüstenplaneten Arrakis, sondern untermalen ihr Set auch mit Zitaten aus der Buchreihe.

Bei The Good, The Bad And The Zugly wird es vor der Bühne langsam voller. Die fünf Norweger überzeugen von Anfang an, allen voran Sänger Ivar Nikolaisen, der mit seinen skurrilen Aktionen regelmäßig für Gelächter sorgt. Im Laufe des Sets wechselt er gleich dreimal das Outfit – zunächst oberkörperfrei, dann mit Jeansjacke und zum Schluss im Leopardenmantel. Zwischen den Songs versprüht er Bierfontänen in Richtung Publikum, das sich über die willkommene Abkühlung nicht beschwert. Dazwischen verliert er sich immer wieder in absurden Geschichten, in denen er erstaunlich oft Hämorrhoiden-Creme erwähnt. Musikalisch überzeugen neben Nikolaisens Screams vor allem die zweistimmigen Gesangsparts von Gitarrist Eirik Melstrøm und Bassist Lars Gulbrandsen.

Als vor dem nächsten Auftritt immer mehr Blasinstrumente auf die Bühne getragen werden, war das ein oder andere Fragezeichen in den Gesichtern der Besucher:innen nicht zu verleugnen: iPendejo liefern gegen 19 Uhr dann aber schließlich eine fulminante Show ab, die wohl auch die letzten Skeptiker schon nach den ersten Takten überzeugt. Die Kombination aus schweren Gitarrenriffs und Blasinstrumenten funktioniert und sorgt immer wieder für begeisterten Applaus. Die während des Sets aufkommenden Windböen verleihen dem Auftritt zusätzlich eine besondere Atmosphäre.

Ghostwoman haben es danach deutlich schwerer. Das kanadische Duo und das Publikum scheinen zunächst nicht so recht zueinander zu finden. Der Indie-Slacker-Garage-Grunge-Mix will während des gesamten einstündigen Sets nicht so richtig zünden. Zudem stellt sich die Frage, warum die Band als vorletzter Act zwischen musikalisch doch deutlich anders gelagerten Acts platziert wurde.

Den Abschluss des ersten Festivaltags übernehmen 1000Mods. Die Griechen liefern eine solide Show ab, ganz große Höhepunkte bleiben allerdings aus. Gegen 22 Uhr spielt dann auch das Wetter nicht mehr mit. Zum Wind gesellt sich dann leider auch anhaltender Regen.

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Freitag: Laut, intensiv und atmosphärisch

Der zweite Festivaltag startet wieder bei bestem Wetter, der angekündigte Regen am Abend bleibt ebenfalls glücklicherweise aus. Den Auftakt machen Bury A Phoenix aus dem nahegelegenen Lichtenfels. Die Band legt mit Metal und reichlich Screamo-Anteilen direkt ordentlich los. Sängerin Katharina Kloth animiert die ersten Besucher:innen vor der Bühne erfolgreich zu den ersten Circle Pits des Tages. Anschließend liefern Kryptograf aus Bergen und Puta Volcano aus Athen Stoner-Rock mit deutlichen Metal-Anteilen. Besonders hervorzuheben sind jedoch The Tazers aus Südafrika. In sommerlichen Leinenhemden präsentieren sie eine angenehm-lässige Mischung aus schweren Gitarren mit Indie-Rock-Kante.

Ab 19 Uhr drehen Blood Command aus Norwegen dann richtig auf. Frontfrau Nikki Brumen nutzt jede Gelegenheit, selbst durchs Publikum zu crowdsurfen und zieht zum Abschluss des Sets sogar blank. Auf Instagram macht die gebürtige Australierin kein Geheimnis daraus, großer Mariah Carey Fan zu sein - somit darf natürlich auch ein Hit des Popstars nicht fehlen. Musikalisch erinnert das ganze stark an Amyl And The Sniffers. Um 20:30 Uhr schrauben Elder mit ihrer brachialen Mischung aus größtenteils instrumentalen Songs das Tempo zwar etwas runter, liefern aber – trotz technischer Probleme - eine beeindruckende Show ab.

Als Headliner betreten Fu Manchu um 22.20 Uhr die Bühne. Das Gelände ist entsprechend gut gefüllt. Frontmann und Gründungsmitglied Scott Hill bedankt sich zwischen den Songs immer wieder schlicht mit einem sympathischen „Thank you“ beim Publikum. Gegen Ende des Konzerts spielt die Band auf Wunsch eines Fans außerdem noch den Klassiker „Godzilla“ (im Original von Blue Öyster Cult). Beim vorletzten Song „King Of The Road“ werden schließlich auch noch Bengalos im Publikum gezündet.

Nach der Headliner-Show machen sich bereits viele Besucher:innen auf den Weg Richtung Campingplatz oder Parkplatz. Den Abschluss des Tages übernehmen allerdings My Sleeping Karma aus Aschaffenburg. Mit sphärischem Psychedelic Rock, Video-Projektionen und einer Lichtshow liefern sie einen stimmungsvollen Ausklang. Für einen Teil des Publikums ist das nach einer solch energiegeladenen Headlinershow vielleicht etwas zu ruhig – die langjährigen Fans genießen den Auftritt dagegen sichtlich.

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Samstag: Würdiger Festivalabschluss, trotz gelegentlicher Regenschauer

Auch am Samstag ist das Gelände bereits gegen Mittag gut besucht. Giant Lungs aus Augsburg eröffnen den letzten Festivaltag sichtbar gut gelaunt. Immer wieder betont die Band, wie sehr sie das Festival schätzt und wie sehr sie sich freut, hier spielen zu dürfen.

Danach übernehmen Scott Hepple & The Sun Band aus Newcastle. Schon beim Aufbau müssen sich die drei Musiker gegen einen Regenschauer behaupten, nehmen das Ganze aber mit bemerkenswertem Optimismus. Anschließend klart es wieder auf und die Band kann loslegen. Vor allem Frontmann Scott Hepple erinnert in seinem 70s-Outfit und seiner Bühnenpräsenz unweigerlich an Robert Plant von Led Zeppelin. Auch musikalisch lassen sich Parallelen erkennen: klassischer Hard-Rock mit psychedelischen Einflüssen und gelegentlich folkigen Passagen. Das Publikum nimmt die Mischung begeistert auf. Als kleine Überraschung gibt es während des Sets außerdem noch ein Geburtstagsständchen für Frontmann Scott.

Kal-El liefern anschließend routinierten Doom-Metal ab – treffen allerdings nicht jedermanns Geschmack, weshalb sich die Reihen vor der Bühne etwas lichten. DZ Deathrays aus Australien drehen den Pegel danach wieder auf Anschlag und überzeugen mit einer energiegeladenen Mischung aus Stoner Rock und Punk. Im Anschluss stehen Dozer mit klassischem Stoner-Rock auf der Bühne.

Zwischen den Auftritten auf der Hauptbühne begeistern auf der kleineren Holzbock-Stage außerdem Capacopter aus Mannheim. Das Quartett liefert besten Desert-Rock mit leichtem Grunge-Einschlag und holen alles aus ihren halbstündigen Sets raus. Danach geht es mit Hällas weiter, die radiotauglichen Progressive Rock in schwarzen Gewändern präsentieren – die eigens benannte Genre-Zuordnung Adventure-Rock passt hier bestens.

Als letzter Headliner sorgen Gluecifer aus Norwegen noch einmal für ausgelassene Stimmung. Sänger Biff Malibu streut zwischen den Songs immer wieder seine Deutschkenntnisse ein. Nach einer etwas längeren Umbaupause betreten gegen 00:15 Uhr schließlich Kylesa die Bühne und liefern einen überzeugenden Festivalabschluss. Leider ist es zum Abend hin doch deutlich kühler geworden, sodass sich viele Besucher:innen bereits auf den Weg zum Campingplatz machen.

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Nächste Ausgabe 2027

Auch dieses Jahr überzeugte das Rock im Wald wieder mit einem abwechslungsreichen Line-up in einem charmanten Festivalsetting. Das Gelände eignet sich dank der entspannten Atmosphäre auch hervorragend für Familien mit Kindern. Das Datum fürs kommende Jahr ist bereits gesetzt – vom 29.-31. Juli 2027 bebt der Wald wieder!

Text: Christoph Albermann